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Eigentlich
sollte alles ganz einfach gehen.
Randy, ein Freund aus den USA,
der eine Chinesin, Shuhua, geheiratet
hatte, machte Urlaub und einen
Besuch bei den Schwiegereltern.
Dazu hatte er uns eingeladen.
Er wollte einen Tag früher
anreisen, in irgendeinem Hotel
in Peking übernachten und
uns dann am nächsten Morgen
am Flughafen abholen. So war den
Plan.
Aber
es kam alles ganz anders...
Nach
einem langen Flug kamen wir endlich
in Peking an. Und es war kein
Randy weit und breit. Da standen
wir nun, mein Freund und ich,
hatten uns um nichts gekümmert,
weil wir ja abgeholt werden sollten
und warteten. Vielleicht hatte
er sich ja nur verspätet.
Und
warteten... vielleicht war im
ja irgend etwas dazwischen gekommen...
Und
warteten... vielleicht hatte er
uns vergessen?
Und
warteten...
Nachdem
wir dann 5 Stunden gewartet hatten,
war uns zumindest eines klar:
Randy würde heute nicht mehr
kommen. Was tun? Wir wußten
ja nicht, in welchem Hotel er
übernachten wollte. Das einzige,
das wir hatten, war die Adresse
und die Telefonnummer von Shuhuas
Eltern. Und diese befand sich
leider zuhause in good old germany.
Zum Glück mußte dort jemand die
Blumen gießen für die nächsten
drei Wochen und hatte somit den
Schlüssel für die Wohnung. Naja,
ganz begeistert war sie ja nicht,
daß sie um sechs Uhr morgens ein
bestimmtes Fax in einer fremden
Wohnung suchen mußte, aber wie
sollten wir uns denn mit den beiden
sonst noch treffen können?
Als
erstes mußten wir uns eine
Bleibe suchen. Das war zum Glück
nicht ein so sehr großes
Problem, da es zumindest am Flughafen
Chinesen gab, die auch englisch
sprachen. Jetzt mußten wir
ja nur noch zuhause bei der Nachbarin
anrufen, daß Sie uns die
Telefonnummer heraussucht. Doch
wie dort anrufen?
Denn
das nächste Problem war vorprogrammiert:
Wie war nur die Telefonnummer
der Nachbarin nochmal? Und wo
gibt es ein Postamt; ja, wie sieht
ein Postamt in China von außen
eigentlich aus? Niemand, der englisch
spricht, wir sprechen kein chinesisch,
und Postämter sind in China
nicht gelb.
Aber
eines mußten wir sehr schnell
feststellen: Chinesen sind unheimlich
hilfsbereit uns Touristen gegenüber.
Eine Chinesin hatte sogar aus
ihrem Fenster heraus gelehnt und
wohl gesehen, daß wir etwas
suchten. Also habe ich Ihr versucht,
durch Zeichensprache klarzumachen,
daß wir telefonieren wollen.
Und prompt rief sie uns herein.
Das Problem war nur, daß
es sich wohl um ein Telefon handelte,
mit dem man nicht ins Ausland
telefonieren konnte (wußte
ich vorher auch nicht, daß
es sowas gibt).
Es hatte Stunden gedauert, bis
wir dann schließlich ein Postamt
fanden. Jetzt brauchten wir ja
nur noch irgendwie die Telefonnummer
der Nachbarin heraus zu bekommen.
Ein Freund in Deutschland mußte
wohl herhalten, am frühen
Morgen. Ich rief Ihn an mit der
Bitte, bei der Auskunft anzurufen
und eine Nummer herauszufinden.
10 Minuten später rief ich
Ihn wieder an, um die Nummer zu
erfahren. Dann riefen wir bei
der Nachbarin an. Weitere 10 Minuten
später mußten wir sie
nochmals anrufen, in der Hoffnung,
daß sie das Fax mit besagter
Telefonnummer gefunden hatte.
Und sie hatte es gefunden. Jetzt
wollten wir bei Shuhuas Eltern
anrufen, doch irgendwie klappte
das nicht. Irgend etwas an der
Vorwahl war wohl nicht in Ordnung,
das lasen wir jedenfalls aus den
Gesichtern und Gesten der freundlichen
Chinesen, mind. zehn an der Zahl,
die plötzlich um uns herum
standen und über die Nummer
diskutierten. Nach langer Diskussion
dann (und wir sollte im weiteren
Verlauf unseres Urlaubs noch feststellen,
daß Chinesen wirklich alles
lange ausdiskutieren, selbst das
Bestellen der Speisen ist ein
Akt für sich), funktionierte
es. Und wir hatten sogar Shuhuas
Vater in der Leitung. In der Hoffnung,
Randy oder Shuhua könnten
bei Ihnen sein, wiederholten wir
immer wieder die Namen Randy und
Shuhua. Doch eines war sicher,
er verstand kein Wort von dem,
was wir ihm versuchten klar zu
machen. Und wir verstanden kein
Wort von dem, was er uns sagte.
Im
Nachhinein hatten wir sogar von
Shuhua erfahren, daß ihr
Vater meinte, es könnte Randy
am Telefon sein und die Frauenstimme
im Hintergrund (natürlich
von mir) sei seine Geliebte. Das
war eine Aufregung!
Völlig
gefrustet gingen wir erst mal
einen Happen essen. Aber selbst
das gestaltete sich als nicht
ganz so einfach. Zum Glück
hatte das Restaurant wenigstens
eine englische Karte (in Peking
ist so etwas schon zu finden).
Danach
machten wir uns auf den Weg ins
Hotel. Unsere letzte und einzige
Chance war, daß Randy das
mit dem Datum verschusselt hatte
und der Meinung war, wir würden
einen Tag später ankommen.
Wenn dem nicht so wäre, würden
wir uns wohl darauf einstellen
müssen, die nächsten
3 Wochen einen völlig ungeplanten
Urlaub in einem völlig fremden
Land mit einer völlig fremden
Sprache und Kultur zu machen.
Also hieß es früh schlafen
gehen, denn wir mußten am
nächsten Morgen um sechs
Uhr wieder am Flughafen sein.
Was
für ein Tag...
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